Mandoline checken und einstellen

Suzuki Mandoline M-100

Instrument überprüfen und Saitenlage einstellen

Grundlage für einen guten Erfolg beim Lernen der Mandoline ist ein gutes Instrument. Informationen über die verschiedenen Mandolinen Modelle finden sich vielfach im Internet.

Dabei ist es prinzipiell egal, ob man eine Neapolitanische Mandoline (mit birnenförmigen Korpus) oder eine Mandoline mit flacher Bauform verwendet.

Wichtig ist es aber, dass sich die Mandoline leicht greifen lässt. Aus diesem Grund möchte ich hier ein paar Hinweise geben, wie man überprüfen kann, dass eine Mandoline vernünftig eingestellt ist und sich zum Lernen eignet.

Dazu sollte man überprüfen

Hals gerade?

Am einfachsten kann man das feststellen, wenn man die Saiten am Ende des Griffbrettes (d. H. beim Schalloch der Mandoline) niederdrückt und dann die gerade Saite mit dem Hals vergleicht. Hierbei sollte der Hals nur einen minimalen Abstand (weniger als 1 Millimeter) zur Saite haben.

Saitenabstand richtig?

Hinweise zur Saitenlage findet man auf den folgenden Seiten:

Saitenabstände und Euromünzen

Die Saitenlage wird meistens am 12. Bund gemessen. Die tiefen Saiten benötigen einen höheren Abstand als die hohen Saiten. Demnach gelten folgende Masse als Richtwerte für die Saitenlage.

 

hohe Saitenlage

mittlere Saitenlage tiefe Saitenlage
G-Saite: 2,4 mm 2,0 mm 1,6 mm
E-Saite: 2,0 mm 1,6 mm 1,2 mm

 

Das kann man am sehr einfach mit ein paar Euro-Münzen überprüfen. Die Dicken der Euro Münzen sind wie folgt:

Euro Münzen

1, 2 and 5 Cent 1.67 mm
10 Cent 1.93 mm
20 Cent 2.14 mm
50 Cent 2.38 mm
1 Euro 2.33 mm
2 Euro 2.20 mm

Das sind brauchbare Maße um den Abstand der Saiten zum Griffbrett auszumessen. Ich benutze die 1-Euro Münze als Mass für die G-Saite benutzt, die 1 Cent Münze als Mass für die e'-Saite.

Ideal ist die Saitenlage wenn die 10-Cent Münze beim 12. Bund der G-Saite gerade zwischen Saite und Bundstäbchen passt, die 1-Cent Münze beim 12. Bund der E-Saite.

Für die hohe Saitenlage passt die 1-Euro Münze bei der G-Saite, 10-Cent Münze bei der E-Saite jeweils am 12. Bund.

Bei den flachen amerikanischen Mandolinen ist der Steg höhenverstellbar ist. Dadurch lässt sich die Saitenlage schnell optimal einstellen.

Bei den neapolitanischen Mandolinen ist der Steg aus einem Stück und nicht verstellbar. Bei jedem Instrument gibt der Hals im Laufe der Zeit nach, sodass sich der Saitenabstand immer weiter vergrößert. Um das auszugleichen muss der Steg also niedriger gemacht werden, das ist jedoch nicht so einfach. Wenn also bei euren Mandolinen der Steg zu hoch ist, dann lasst euch am besten den Steg von einem Instrumentenbauer niedriger machen oder durch einen niedrigeren Steg ersetzen.

Es kann auch sein dass sich die Halsbefestigung löst sodass der Hals nach vorni kippt. Das erhöht die Saitenlage dann auch, meistens sogar sehr stark. In diesem Fall muss der Hals vom Instrumentenbauer wieder befestigt werden.

Beim Kauf einer neuen Mandoline sollte man auf jeden Fall darauf achten, dass die Saitenlage gut eingestellt ist (oder zumindest noch angepasst wird). Bei älteren Mandolinen lohnt es sich, die Saitenlage zu überprüfen und korrigieren zu lassen. Bei Mandolinen mit verstellbarem Steg sollte man sich auf jeden Fall die Mühe machen, diesen optimal einzustellen.

Coufleau Mandoline - Saitenlage

Suzuki Mandoline - Saitenlage

Das ist die Suzuki Mandoline die ich im Moment regelmäßig spiele. Die Euro-Münze passt bei der G-Saite am 10. Bund, die Cent-Münze bei der E-Saite am 8. Bund. Die Saitenlage ist also schon etwas hoch, es geht aber gerade noch. Etwas niedriger wäre optimal. Da die Mensur (Saitenlänge) bei den neapolitanischen Mandolinen kürzer ist als bei den amerikanischen F-Mandolinen ist die Saitenspannung nicht so hoch sodass eine höhere Saitenlage akzeptabel ist.

Coufleau Mandoline - Saitenlage

Suzuki Mandoline - Saitenlage

Ansicht von oben

Suzuki Mandoline - Saitenlage

Suzuki Mandoline - Saitenlage

Ansicht von der Seite

Coufleau Mandoline - Saitenlage

Coufleau Mandoline - Saitenlage

Bei meiner Bluegrass-Mandoline von Coufleau habe ich die Saitenlage sehr niedrig eingestellt, die 1-Euro Münze passt beim 15. Bund der G-Saite, die 1-Cent-Münze passt beim 15. Bund der E-Saite.

Stegposition einstellen

Damit eine Mandoline sauber klingt muss die Position des Steges richtig sein. Für eine saubere Intonation muss für jede Saite eine kleine Komponsation berücksichtigt werden. Je nachdem welche Saiten verwendet werden muss die Kompensation bei der Herstellung des Steges richtig berücksichtigt werden.

Deutsche Mandolinen haben typischerweise einen Steg mit gerader, leicht schräg gestellter Stegauflage. Diese Stege sind für die in Deutschland üblichen Thomastiksaiten optimiert.

Japanaische Mandoline haben oft einen Steg mit gezackter Stegauflage, mit extra großer Kompensation für A-Saite und G-Saite, und weniger Kompensation für E-Saite und D-Saite.

Woher kommt das?

Die erforderliche Korrektur ist abhängig von der Art der Saiten und von der Saitenlage. Primär hängt die erforderliche Korrektur von der Stärke des jeweiligen Saitenkernes ab.

Dazu habe ich Stärke der Saitenkerne für verschiedene Saitensätze gemessen.


Thomastiksaiten mittel, gemessene Stärke des Saitenkernes: 

e - 0.24 mm

a - 0.24 mm

d - 0.27 mm

g - 0.29 mm

Wie man sieht nimmt die erforderliche Kompensation von E-Saite zur G-Saite hin etwa gleichmäßig zu. Das erfordert einen geraden, leicht schräg gestellten Steg.


Bluegrasssaiten D'Addario J62

Saitenstärken Packungsangabe (1/100 Zol): e: .010   a: .014  d: .024   g:  .034

gemessene Stärke der Kerne:

e:  0.25 mm   a:   0.36 mm   d: .32 mm   g: 0.38 mm

Wie man sieht ist die erforderliche Kompensation für die A-Saite besonders groß, fast so groß wie für die G-Saite. Dies erfordert einen Steg mit extra Kompensation für die A-Saite.

Solche Stege sind bei japanischen Mandolinen und bei Bluegrassmandolinen typisch.


Pyramid Saiten Silver-plated Wire Wound

e: 0.23 mm a: 0.30 mm d: 0.27 mm  g: 0.28 mm

Kompensation für D- und G-Saite dürften fast identisch sein, auch bei diesen Saiten ist die Kompensation für A-Saite sogar etwas größer als für die G-Saite.


Beispiel einer gut eingestellten Mandoline (Cortez 260) mit Mensur 33,5 cm (halbe Saitenlänge 16,75 cm) mit Thomastiksaiten - Steg gerade

E-Saite: 16,85 cm (Korrektur 1 mm)

A-Saite: 17 cm (Korrektur 2.5 mm)

D-Saite: 17,1 cm (Korrektur 3.5 mm)

G-Saite: 17,3 cm (Korrektur 5.5 mm)


Beispiel einer Mandoline mit Mensur 33,5 cm (halbe Saitenlänge 16,75 cm) mit Thomastiksaiten - japanischer Steg mit typischer großer Kompensation - solche Stege sind für Thomastiksaiten nicht geeignet. Kompensation für A-Saite und D-Saite sind nicht richtig einstellbar.

E-Saite: 17 cm (Korrektur 2.5 mm)

A-Saite: 17,2 cm (Korrektur 4.5 mm, klingt etwas zu tief)

D-Saite: 17 cm (Korrektur 2.5 mm, klingt etwas zu hoch)

G-Saite: 17,2 cm (Korrektur 4.5 mm)


Die Position des Steges lässt sich wie folgt einstellen:

Ausgangspunkt ist die Position bei der der 12. Bund der Mandoline genau mittig ist. Dazu kann man den Abstand vom Sattel (bzw. Nullbund) bis zum 12. Bund messen.

Typische Masse sind 16,5 cm (Mensur 33 cm) oder 16,75 cm (Mensur 33,5 cm)

Nun wird dieselbe Distanz vom 12. Bund bis zum Steg eingestellt.

Zuletzt muss die Stegposition noch für die Kompensation um 2 - 5 mm (siehe oben) korrigiert werden.


Es gibt eine einfache Möglichkeit die Stegposition und die Kompensation für die einzelnen Saiten zu überprüfen und festzuhalten. Wie das geht zeige ich im Anschluss.

Mandoline Steg Suzuki M-100 / Alfred Woll

Steg Suzuki M-100 / Alfred Woll

Steg von Alfred Woll für meine Suzuki M-100 Mandoline. Stegeinlage leicht schräg gestellt sodass sich bei gerader Positionierung des Steges die richtige Kompensation für die Verwendung von Thomastiksaiten ergibt.

Mandoline Steg Suzuki M-20 typisch japanischer Steg

Steg Suzuki M-20 - ein typischer Steg für japanische Mandolinen

Typischer Steg einer japanischen Suzuki Mandoline. Die Kompensationen sind sehr großzügig, passend für  Saiten mit blanker A-Saite.

Mandoline Steg Torella japanische Kompensation nur E-Saite

Steg einer japanischen Mandoline (ähnlich Torella) mit extra weniger Kompensation für die E-Saite

Steg einer japanischen Mandoline (ähnlich Torella) - Die Kompensationen ist nur für die E-Saite angepasst. Dieser Steg sollte sich gut für Saitensätze mit umsponnener A-Saite eignen.

Mandoline Steg Gibson A9 Bluegrass Kompensation

Steg meiner Gisbson A9 Bluegrass Mandoline

Steg meiner Gibson A9 Mandoline. Es handelt sich um einen Steg mit typischer Kompensation für Bluegrass Mandolinen. Die Kompensation für A-Saite und G-Saite sind vergrößert.

Mandoline Steg Coufleau Brekke Gibson A9 Bluegrass Kompensation

Steg meiner Coufleau Bluegrass Mandoline - Brekke Bridge

Steg meiner Coufleau Mandoline. Es handelt sich um eine Brekke Bridge mit typischer Kompensation für Bluegrass Mandolinen. Die Kompensation für A-Saite und G-Saite sind vergrößert.

Stegposition mit Schablone prüfen

Im folgenden zeige ich eine einfache Methode wie man die Stegposition bei der Mandoline überprüfen, einstellen und festhalten kann. Dazu braucht ihr nur ein Blatt Papier, einen Bleistift, ein Lineal und eine Schere.

Wenn ihr unsicher seid ob der Steg bei eurer Mandoline richtig platziert ist könnt ihr mit dieser Methode prüfen wie groß die Kompensation bei jeder Saite ist. Dann könnt ihr den Steg gegebenfalls mit den zuvor beschriebenen Kompensationen positionieren. Mit dem Stimmgerät könnt ihr danach prüfen ob der Ton auf dem 12. Bund auch genau stimmt.

Ihr könnte dies auch gut verwenden bevor ihr die Saiten eurer Mandoline wechselt damit ihr nach dem Saitenwechsel den Steg wieder gleich positionieren könnt.

Mandoline Steg Position einstellen

Papierstreifen falten

Falte einen Papierstreifen der etwas breiter ist als das Griffbrett

Mandoline Steg Position einstellen

Position 12. Bund markieren

Markiere dann ebenso auf der dir abgewandten Seite den 12. Bund

Mandoline Steg Position einstellen

Schablone zuschneiden

Drehe die Schablone um und schneide sie wie angezeichnet zu damit du diese besser auf dem Griffbrett positionieren kannst.

Mandoline Steg Position einstellen

Papierstreifen auf das Griffbrett legen

Lege diesen Streifen so unter die Saiten dass ein Ende genau am Sattel anstösst.

Mandoline Steg Position einstellen

Position 12. Bund markieren

Markiere dann ebenso auf der dir abgewandten Seite den 12. Bund

Mandoline Steg Position einstellen

Schablone positionieren

Lege die Schablone nun so auf das Griffbrett unter die Saiten dass die gezeichnete Linie genau über dem 12. Bund liegt.

Mandoline Steg Position einstellen

Position 12. Bund markieren

Markiere zuerst auf der dir zugewandten Seite den 12. Bund mit einem Bleistift

Mandoline Steg Position einstellen

Markierungen verbinden

Verbinde die Markierungen mit Lineal und Bleistift

Mandoline Steg Position einstellen

Schablone positionieren

Lege die Schablone nun so auf das Griffbrett unter die Saiten dass die gezeichnete Linie genau über dem 12. Bund liegt.

Mandoline Steg Position einstellen

Kompensation ablesen

Jetzt kannst du genau sehen wie groß die Kompensation für jede Saite ist. Mache ein Bild oder notiere dir die Abstände für die einzelnen Saiten. Nach einem Saitenwechsel kannst du mit dieser Schablone den Steg wieder genau gleich positionieren.

Das Bild zeigt meine Suzuki Mandoline. Die Kompensation ist ca. 2mm bei der E-Saite und steigt bis ca. 5mm bei der G-Saite.


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